Foto: jugend.dgb.de

SPD-Stadtverband Löhne zur aktuellen Berufsausbildungskrise

Zahl der abgeschlossenen Berufsausbildungsplätze auf historisch niedrigem Niveau

Die Krise der deutschen Wirtschaft, gekennzeichnet durch Insolvenzen, geringem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes und Stellenabbau, zeigt sich auch deutlich in dem massiven Rückgang der beruflichen Ausbildung.

Noch nie wurden in den vergangenen Jahrzehnten so wenig neue betriebliche Ausbildungsverträge abgeschlossen wie 2025 und vermutlich auch 2026. Von den 730000 an Ausbildung interessierten jungen Menschen im Jahr 2025 konnten nur 65,3 % tatsächlich eine Berufsausbildung beginnen. Leider verlieren wir immer noch zu viele Jugendliche in Übergangsmaßnahmen und Warteschleifen.

Der im Mai 2026 veröffentlichte Berufsausbildungsbericht der Bundesregierung zeichnete erneut ein alarmierendes Bild der dualen Ausbildung in unserem Land, da sich die Chancen auf einen Ausbildungsplatz weiter verschlechterten. Einerseits stieg die Nachfrage nach Ausbildung, andererseits sank das Ausbildungsangebot. 

Trotz der Klagen von Arbeitgeberseite und ihnen nahestehender Parteien und Verbände über einen Mangel an Fachkräften, bilden immer weniger Arbeitgeber aus. Deutschlandweit sind aktuell weniger als  20 % der Unternehmen bereit, junge Menschen auszubilden. Darum blieben 2025 knapp 40000 ohne Berufsausbildung – so viel wie lange nicht mehr.

Noch immer sind in Deutschland 2,7 Mio. junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsausbildung – und gleichzeitig wird der Mangel an qualifizierten Fachkräften beklagt.

Die Situation in OWL ist ähnlich verheerend:                                                       

Im Ausbildungsjahr 2025 wurden 13236 Ausbildungsverträge abgeschlossen und damit 955 weniger als 2024. Zugleich stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die die allgemeinbildenden Schulen verließen und sich vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemühten.    Im Januar 2026 gab es allein in OWL 2835 unversorgte Bewerber: innen.

Im Arbeitsagenturbezirk Herford ist die Bilanz noch erschreckender:   Der Anteil erfolgloser Bewerber:innen liegt bei 20 % – die schlechteste Quote in OWL! Im bundesweiten Ranking nimmt Herford den Rang 137 von 149 Arbeitsagenturbezirken ein, mit der enttäuschen-den Bilanz von 84,1, d.h. auf 100 Bewerber:innen entfielen 84,1 Ausbildungsplätze.   
Die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für den Ausbildungsbezirk Herford sehen wie folgt aus (Mai 2026):

               Gemeldete Bewerber:innen:    1789                                                                                
               gemeldete Ausbildungsplätze: 1305

Die derzeitige Situation der beruflichen Ausbildung ist menschlich, gesellschafts- und arbeitsmarktpolitisch nicht akzeptabel und bedarf dringend einer grundlegenden Reform, damit alle Jugendlichen, so sie es wollen, auch eine qualifizierte Berufsausbildung erhalten.

Der SPD-Kreisparteitag des Kreises Herford fordert ein weitreichen-des zielgerichtetes Aktionsprogramm, das den o.a. Ansprüchen gerecht wird und u.a. nachfolgende Aspekte beinhaltet:

  • Eine umfassende und qualifizierte Vorbereitung auf die
    beruf
    liche Bildung und die Arbeitswelt bereits in den Schulen der Sek 1.

*  Es kann und darf kein dauerhafter Zustand sein, dass immer  
    mehr Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen
    ohne Abschluss verlassen (NRW 2025: 7430; OWL 2025: 880).
    Diese Schulabgänger:innen) haben i.d.R. kaum Chancen auf eine
    Berufsausbildung und sind in ihrem weiteren Arbeitsleben
    vermutlich immer häufiger der Gefährdung durch Arbeitslosigkeit     
    ausgeliefert.

    *   Um diesem Sachverhalt entgegen zu wirken, bedarf es
        rechtzeitiger insbesondere sprachlicher – Förderung in kleineren   
         Lerngruppen durch entsprechend qualifizierter Teams (Lehr-
         kräfte, Schulpsychologen und -sozialarbeiter). Grundprinzip:
         Frühzeitige Hilfe vermeidet spätere Arbeitslosigkeit!

    *  Wir benötigen zielgerichtete Maßnahmen, um den Übergang 
         zwischen Schule und Ausbildung zu verbessern. Kein junger
         Mensch darf in Zukunft mehr unbemerkt aus dem System fallen.
         Schulen, Berufskollegs, Bundesagentur für Arbeit und Betriebe
         müssen noch enger zusammenarbeiten.

    *  Um die Bereitschaft zu fördern, mehr Ausbildungsplätze bereit   
        zu stellen, braucht es ein Aktionsprogramm mit einer                                                  
        – Ausweitung der bundesweiten Ausbildungsgarantie und einem                
        – Umlagefonds für die Betriebe, die nicht ausbilden, obwohl sie
          dazu in der Lage wären. Motto: Wer nicht ausbildet muss
          zahlen
! Dies wäre auch nur fair gegenüber den Betrieben, die
          ausbilden, denn eine qualifizierte Ausbildung kostet Geld und
          stärkt den Wirtschaftsstandort Deutschland.

     *  Mit den Mitteln des Umweltfonds werden Unternehmen unterstützt, die                                                                                                        
          – über den Eigenbedarf ausbilden,                                                                     
          – im Auftrag kommunaler Einrichtungen (Kreis, Kommune)
           zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen (siehe ev.                
           Jugendhilfe Schweicheln), bzw. in Regionen, in denen
          betriebliche  Ausbildungsplätze  fehlen – wie im Kreis Herford
          zusätzliche außerbetriebliche  Ausbildungsmöglichkeiten schaffen
          (siehe BAJ Bielefeld sowie früher BAJ Herford).
        
          

 

 

 

 

 

 

 

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